Merkblatt: Zusatzversicherungen für Kassenversicherte mit Sehhilfenleistungen

Für Sehhilfen werden von den gesetzlichen Krankenkassen i.d.R. nicht mehr erstattet. D.h Brillenträger müssen Ihre Sehhilfen selbst bezahlen. Viele Zusatzversicherungen buhlen mit Brillenerstattungen um Kunden. Aber was steckt wirklich dahinter? Gibt es reine Brillen-Zusatzversicherungen, was kann man von "Null-Tarif" Versicherungen großer Optikerketten wirklich halten. Welche Stolperfallen gibt es beim Abschluss einer Zusatzversicherung zu beachten? Dieses Merkmal ist für gesetzliche Versicherte Kunden entworfen worden, die nach einer Zusatzversicherung suchen, die auch für Sehhilfen erstatten.

Expertenforum Brillenleistung: hier können Optiker und Brillenträger fragen rund um die Brillen-Zusatzversicherung stellen

1. Lücken der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Generell keine Leistung mehr für Sehhilfen.

Immer mehr müssen gesetzlich Versicherte selber zahlen, das gilt auch für Sehhilfen. Generell zahlen Kassen-versicherte eine Brille (Brillengestell und Gläser) oder auch für Kontaktlinsen selbst. Die GKV leistet nur noch bei Kindern/Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr oder bei schwerwiegenden Augenerkrankungen. Zum Ausgleich dieses und anderer Defizite, gibt es schon lange ein Riesenangebot an privaten Krankenzusatzversicherungen.

2. Welche Kosten verursachen Sehhilfen, wie groß ist die Kostenlücke?

Lesebrillen kriegt man schon ab 3 Euro in Kaufhausständern (in 0,5-er Dioptrinstufen). Beim Optiker wird jede Sehhilfe individuell angepasst. Es herrscht ein harter Wettbewerb, so dass einfache Brillen schon ab 10, 20 € erhältlich sein können. Aber ein vom Designer entworfenes Brillengestell kann auch über 1.000 € kosten. Es gibt daher folgende Empfehlung: Wem eine einfache Sehhilfen reicht, der braucht sicher keine Zusatzversicherung mit Leistung für Sehhilfen. Wer teures bevorzugt, für den werden Zusatzleistungen dafür umso interessanter.

3. Kombipakete sog. Ergänzungsversicherungen sind am häufigsten und meist mit Sehhilfeleistungen

Zusatzversicherungen werden angeboten, um die vielen Leistungslücken gesetzlicher Kassen zu schließen. Über 50 Anbieter privater Krankenkassen gibt es. Seit 2005 dürfen zusätzlich über 500 gesetzliche Kassen private Zu-satzversicherungen ihren Mitgliedern verkaufen und alle haben sich in Kooperation mit privaten Anbietern eigene Lösungen für Ihre Mitglieder ausgedacht. Kein Wunder, der Zusatzversicherungs-Markt gleicht einem Dschungel. Es gibt u. a. stationäre, ambulante, Pflege- und Zahn-Zusatzversicherungen, Krankentage/Krankenhaustagegeld.

Am häufigsten sind sog. Ergänzungs-Krankenzusatzversicherungen, welche beliebige Zusatzleistungen (ggf. des ambulanten, stationären, zahnärztlichen etc.) Bereiches in einem Kombi-Paket zusammenfassen. Das reicht von der Erstattung für Sehhilfen; Zahnarztmehrkosten bis zur Übernahme aller möglichen ambulanten Zuzahlungen. Einen Ergänzungstarif der nur Kosten für Sehhilfen erstattet gibt es nicht. Einige Pakete beinhalten 2 oder 3, am häufigsten sind 3, 4, 5 Zusatzleistungen. Einige Tarife übernehmen so viele Zusatzleistungen, dass man sich schwer tut alle aufzuzählen. Am häufigsten findet man Zusatzleistungen für Sehhilfen, Zahnersatz und die (wichti-ge) Auslandsreisekrankenversicherung in einem Paket. Ansonsten gibt es viele weitere Zusatzleistungen, z.B. für Heilpraktiker, Übernahme von Zuzahlungen bei Heil-/Hilfsmitteln (Massagen, Hörgeräte dgl. mehr), Kosten für Vorsorgeuntersuchungen usw. usw.. Leistungsaussagen sind oft sehr kompliziert bzw. schwer verständlich. Die Kunst bei der Auswahl besteht darin, nur 1 Leistungsschwerpunkt zu setzen, z.B. für Sehhilfen oder für Zahnersatz (laut Umfragen interessieren sich über 75 % Kassenversicherte dafür) oder für Heilpraktiker etc..

4. Welche Rolle spielen Sehhilfenleistungen bei Kranken-Zusatzversicherungen?

Ein großer Teil der Bevölkerung benötigt spätestens im Alter eine Sehhilfe/Lesebrille. Daher fällt diese Lücke den GKV-Versicherten als erstes und am meisten auf. Die Anbieter haben erkannt, dass Sehhilfenerstattungen für die Kunden eine erhöhte Attraktivität haben und daher eher abgeschlossen werden. Deshalb beinhalten rund 90 % aller Ergänzungsversicherungen Sehhilfen zusammen mit 2, 3 oder mehren anderen Zusatzleistungen.

5. Welche Leistungen gibt es bei Ergänzungsversicherungen speziell für Sehhilfen

Wenn man die Kernaussagen aller Tarife bezüglich der Leistungshöhe von Sehhilfenerstattung analysiert kann man folgende Kategorien bzw. Erstattungsmöglichkeiten pro Versicherungsfall für Sehhilfen feststellen:

  • ca. 13 % aller Angebote erstatten bis max. 100 € pro Versicherungsfall bzw. innerhalb 24/36 Monate;
  • ca. 37 % aller Angebote erstatten bis max. 150 € pro Versicherungsfall bzw. innerhalb 24/36 Monate;
  • ca. 33 % aller Angebote erstatten bis max. 200 € pro Versicherungsfall bzw. innerhalb 24/36 Monate;
  • ca. 16 % aller Angebote erstatten bis max. 300 € pro Versicherungsfall bzw. innerhalb 24/36 Monate;
  • ein einziges Angebot, erstattet bis max. 400 € pro Versicherungsfall max. alle 24 Monate.

Rund 70 % aller Zusatzversicherungsangebote beinhalten Sehhilfeerstattungen im Bereich von 100 - 200 € pro Versicherungsfall. Diese Leistung gibt es stets im Verbund mit diversen anderen als wertvoll angesehenen Leistungen (z.B. für Heilpraktiker, Zahnersatz usw.). Prämien der Pakete liegen meist bei 10, 15, 20 Euro monatlich.

TIPP: Die häufigste Zusage bei Sehhilfeerstattungen lautet: Erstattet werden, wenn die GKV nicht leistet (was meist der Fall ist) z.B. 80 oder 100 % der Kosten bis 150 €, meist nur alle 2 oder 3 Jahre. Am positivsten ist es, wenn folgendes zusätzlich in den Bedingungen steht. Die Sehhilfeleistung kann auch häufiger, d.h. mehrfach erfolgen, falls eine Änderung der Sehschärfe (vom Optiker) um/ab 0,5 Dioptrin festgestellt wird. Meist genügt sogar eine 0,5 Dioptrinänderung auf einem Auge. Dann sind Erstattungen sogar mehrmals pro Jahr möglich.

6. Was Kosten Ergänzungs-Zusatzversicherungen die u. a. Sehhilfenerstattung beinhalten?

Die Beiträge fangen ab ca. 3 Euro pro Monat an, gehen bis 10, 20, 30 und noch mehr Euro, je nach dem, ob we- nige oder viele Zusatzleistungen (z.B. oft für Heilpraktiker, Zahnersatz, Zuzahlung Massagen etc.) versichert sind. Erfreulicherweise gibt es keine Versicherungssteuer! Die Beitragshöhe richtet sich nach Alter und Geschlecht und die ist umso höher, je älter man beim Einstieg in die Versicherung ist. Sie zahlen dieselbe Prämie, egal ob Sie die Versicherung beim Makler oder Vertreter oder bei der Versicherung direkt abschließen. TIPP: Ein spezialisierter Makler kann sehr hilfreich sein, weil ein unkomplizierter Abschluss viel wert ist und weil man später bei Reklamationen im Leistungsfall neutrale kompetente Hilfe bekommen kann. Sich rechtzeitig versichern macht Sinn, weil die Einstiegsprämien günstiger sind und bleiben, aber vor allem auch aus nachfolgendem Grund.

7. Beantworten von Gesundheitsfragen im Antrag. Einige verlangen Zuschläge für Brillenträger.

Ein Problem welches Kassenversicherte nicht kennen, sind Gesundheitsfragen und Aufnahmeprüfung. Wer sich zusatzversichern will, sollte kerngesund sein, dann wird er mit normaler Prämie angenommen. Wer krank ist kann abgelehnt werden. Es gibt aber auch Leistungsausschlüsse für abgrenzbare Vorerkrankungen (z.B. Meniskus-schaden linkes Knie) oder Zuschläge, wenn eine Erkrankung (z.B. erhöhter Blutdruck) nicht abgrenzbar ist.
Unangenehme Überraschung: Erst im Zusammenhang mit den Gesundheitsfragen in Anträgen, stößt man bei ca. 10 % aller Angebote mit Sehhilfenleistungen darauf, dass man danach gefragt wird, ob man schon eine Seh-hilfe benötigt und wenn ja, dass dann ein Zuschlag von z.B. 2 - 5 € mtl. dafür zusätzlich zur Normalprämie ver-langt wird. Man kommt da meist erst beim Ausfüllen eines Antrages darauf. Das ist ärgerlich, wenn man vorher lange nach einem guten Angebot gesucht hat und dann erst beim Antragstellen erfährt, dass zur Normalprämie von z.B. 10 € mtl. ein Zuschlag von 5 € mtl. dazu kommen soll.
TIPP: Da die Mehrzahl (ca. 90 %) der Anbieter keinen Zuschlag verlangt, auch wenn schon eine Sehhilfe nötig hat, ist es empfehlenswert, Angebote ohne Zuschlag auszuwählen. Fragen Sie bereits beim anfordern von Ange-boten nach Zuschlägen für Sehhilfenträger etc.. Angebote ohne Brillenträgerzuschlag sind eindeutig vorteilhafter.
Falls Sie auch Zahnleistungen haben wollen fragen Sie zusätzlich, ob es, Zuschläge oder Aufnahmebegren-zungen für vor Abschluss bereits fehlende und/oder ersetzte z.B. überkronte Zähne gibt.

8. Es gibt eine Optikerkette mit der sog. „ Nulltarif-Versicherung „ für „ Null-Tarif „ Brillen.

Eigentlich ist das Wort Nulltarif-Versicherung irreführend, denn die Versicherung kostet ja nicht Null, sondern 10 oder 50 € im Jahr. Dafür kriegt man dann Brillen und Gläser aus der „ Null-Tarif „!Kollektion. Wer das macht, geht natürlich immer zu diesem Anbieter, obwohl es billige Brillen ab 10 € auch anderswo gibt (vgl. oben Nr. 2). Das ist quasi so, also wenn man dafür, dass man zum Aldi gehen darf um einzukaufen, auch noch einen Jahresbeitrag zahlen. Also in Wahrheit ist dies keine Versicherung sondern ein Clubbeitrag.

9. Wie sinnvoll ist es Sehhilfenerstattung bei Ergänzungs-Zusatzversicherungen mit zu versichern?

Eine reine Brillenversicherung gibt es nicht. Verbraucherschützer bemängeln Brillenleistungen müsse man nicht versichern. Statt Prämien dafür zu zahlen, könne man das Geld für eine neue Sehhilfe besser sparen. Prinzipiell ist das richtig. Die Kritiker übersehen schon immer den nachfolgend erklärten Kostenminderungs-Effekt!
Wer beim Abschluss schon eine Sehhilfe benötigt, für den gilt: Wenn Sehhilfenerstattungen mitversichert sind tritt später ein besonderer " das macht sich bezahlt " Effekt ein. Denn für alle die schon Sehhilfen benötigen, ist die spätere Erstattung 100 % vorprogrammiert und man genießt später sicherlich, die vertraglich zugesicherten Sehhilfenerstattungen. Wer diese Möglichkeit nutzt, zahlt nicht nur ein Leben lang ein, sondern bekommt später für seine Sehhilfen garantiert einiges an Erstattung wieder aus-/zurückbezahlt. Das ist ein Vorteils-Aspekt, der völlig untypisch ist für Versicherungen! Den haben Verbraucherschützer stets außer Acht gelassen!
Konkretes Beispiel hierzu: Eine konkrete Zusatzversicherung hat 2 Zusatzleistungen und kostet einen 30-jähri-gen Mann/Frau mtl. 9,91 / 15,37 €. Leistung 1: Alternativ-medizinische Behandlungen durch Heilpraktiker/Ärzte werden zu 80 % bis 1.000 € Rechnung pro Kalenderjahr erstattet. Leistung 2: Sehhilfenerstattung alle 24 Monate (ggf. nach Vorleistung der GKV) 100 % bis 300 €. Wer nur die Sehhilfenerstattung alle zwei Jahre 300 € ausnützt, bekommt monatlich umgerechnet 12,50 € seines Beitrages zurück. Wer schon Brillenträger ist, für den ist das ein tolles Angebot, besonders wenn auch Interesse an Leistungen für alternativ-medizinische Behandlungen besteht.
FAZIT: Alle die schon Sehhilfenträger sind und eine Zusatzversicherung suchen, für die ist es interessant Sehhil-feerstattungen im Paket dabei zu haben. Allein eine Sehhilfenerstattung von z.B. 150 € kann allein den Jahresbei-trag reinbringen und die anderen Zusatzleistungen, die man bevorzugt, z.B. Zahnersatz, kriegt man noch dazu. Das ist für über 75 % der GKV-Versicherten, die hohe Zuzahlungen beim Zahnarzt fürchten, sehr interessant.

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